und täglich grüsst das Murmeltier, 8 Tage in Pago Pago

Kann sich jemand vorstellen, was es heisst, die Stunden zu zählen, nur damit der Tag vergeht, kein Internet, ein Fernsehen im Zimmer mit 35 Kanälen, aber keinen davon kann man länger als 10 Minuten ansehen weil so stumpfsinnig, nichts zu tun, ausser Zeit runter bringen. Jeder Film im Fernsehen – ohnehin nur auf zwei Kanälen wo Filme gezeigt werden, der Rest ist nur Werbung – und dann 5 Minuten Film, 10 Minuten Werbung. Jetzt weiss ich auch warum der Oskarpreisgekrönte Film Gloriat Busters bei uns noch nicht im Fernsehen gezeigt wurde. So viel Schwachsinn zur leidvollen deutschen Geschichte habe ich noch nie gesehen und würde auch jeden halbwegs denkfähigen Europäer abschrecken, aber genau deswegen hat man ihn wahrscheinlich auch für den Oskar nominiert. Hier kann man so einen Schundfilm aber unkritisiert zeigen, man kennt ja nichts anderes. Leider habe ich aus Gewichtsgründen auch keine Bücher mit auf die Reise genommen – ein riesen Fehler wie sich herausstellen sollte. Es gibt doch jetzt diese tollen elektronischen Lesegeräte wo man mehrere Bücher speichern kann und dann bequem eins nach dem anderen liest. Ich hätte so etwas mitnehmen sollen. Auf alle Fälle kam ich mir jeden Tag wie im Film „täglich grüsst das Murmeltier“ vor. Wieder ein sinnloser Tag ohne was zu tun, nach dem Aufstehen ein bedeutungsloses „hi how are you, how is your day today?“ Eine nette, familiär geführte Pension mit allerlei Haustieren, ein Hahn der morgendlich um Fünf kräht und keinen Schlaf mehr zulässt, ab 7 dann das Motorengeräusch des Laubbläsers der bereits zeitlich begann, den Parkplatz vom Laub, welches Nachts durch den Wind von den Bäumen geweht wurde zu säubern, kein Frühstück beim Zimmerpreis inkludiert wie überall in den USA üblich, auch wenn amerikanisch Samoa nur eine Provinz der USA ist aber nicht zu den USA gehören, und dann noch allerlei Haustiere am Zimmer, vor allem Ameisen.
Das einzige Programm das ich jeden Tag beobachtete war das Wettersatellitenbild im Fernsehen, und das war frustrierend und zusehends schlechter werdend.
Für mich war zu diesem Zeitpunkt längst klar das es nur vier Möglichkeiten gibt um von hier wieder weg zu kommen.
1. einen Ferrypiloten finden der eine Pazifiküberquerung schon öfter gemacht hat und über mehr Nachtflug- und IFR Erfahrung verfügt als ich. Aber dann dachte ich immer wieder daran wie lange man braucht um alle Handgriffe bei den vielen Instrumenten, Tanksystemen, GPS usw. vollautomatisch zu beherrschen, und was so ein Berufspilot mehr auf meinem Flieger tun sollte als ich, schliesslich gibt es nicht viele Piloten die so viele Stunden Flugerfahrung auf einer Dynamic haben wie ich. Diese Option hat sich allerdings schlussendlich ohnehin erledigt, da alle Angesprochenen diesen Job abgelehnt haben. Warum weiss ich nicht, die haben keine Ahnung was sie versäumt haben. Für eine Piper oder Cessna wäre durchaus jemand zu finden gewesen. Die wissen alle nicht was für tolles Flugzeug die Dynamic und für ein zuverlässiges Triebwerk der Rotax ist.
Dann blieb Option 2.: Das Flugzeug selber bis Hawaii fliegen.
Zwei mal hab ich es ja versucht, immer ohne Erfolg. Die Genehmigung für Penrhyn steht immer noch aus, Neuseeland und Rarotonga haben sich hier Zeit gelassen. Für die ursprünglich geplante Route Kanton Island und Palmyra gab es ohnehin bereits ein NO GO von der Regierung aus Kiribati und vom Umweltschutzministerium in Hawaii. Der Wind bläst weiterhin kräftig aus Ost, teilweise aus Nordost und damit direkt auf die Nase, was die ohnehin langen Flugzeiten noch mal verlängert und die Gefahr einer Nachtlandung mit sich trägt. Ausserdem geht das Satellitentelefon oft nur sehr schlecht oder gar nicht, wie beim zweiten Versuch mit Penrhyn und Rarotonga festzustellen war, die GPS fallen teilweise aus, der Tracker geht unzuverlässig und das Funkgerät geht in den unteren Frequenzbereichen fast nicht mehr. Also alles zusammen keine optimalen Voraussetzungen um einen sicheren Langstreckenflug über Wasser und in Wolken zu gewährleisten.
Option 3: Das Flugzeug zerlegen, die Flügel abmontieren, dabei müssen die beiden Ferrytanks raus, damit der rechte Flügelbolzen gezogen werden kann, den Flieger mit WD40 Spray gegen Rost einsprühen, in eine Folie verstretchen und auf einen offenen 40″ open platform Container stellen und diesen dann per Schiff, welches alle 14 Tage den Hafen von Pago Pago, der übrigens der Vulkankrater der Insel ist, Richtung Oakland in der Bucht von San Francisco, verläßt, nach US mainland senden und dort 14 Tage später diesen vom Hafen wieder abholen, verzollen und mit dem Containerlaster zum nächsten Flughafen bringen lassen, dort wieder zusammen bauen und weiterfliegen.
Nachdem lange Zeit keine Wetterbesserung in Sicht war schien diese Option für mich die Vernünftigste, auch wenn ich mich mit dem Gedanken, dass nun mein Flieger 14 Tage auf offener See dem Salzwasserspray ausgesetzt ist nie anfreunden konnte. Ein geschlossener Container kam aufgrund der Abmessungen des Flugzeuges nicht in Frage da die Dynamic mit 660 cm Länge und 252cm Breite weder in der Länge noch in der Breite in einen 20″ Standardcontainer gepasst hätte, da um 18 cm zu breit und um 60 cm zu lang. Der 40″ Container, doppelt so teuer, hätte zwar von der Länge her gepasst, dies hätte allerdings an der Überbreite nichts geändert. So blieb also nur die Transportmöglichkeit auf einem offenen Container, wo der Flieger auf einer Plattform ganz oben auf einem Containerschiff in 40 Metern Höhe steht und nur vorne und hinten durch eine aufklappbare Seitenbordwand geschützt ist, seitlich und oben ist er frei.
Option 4:
Als ich in Pago Pago landete sah ich dann eine Boing 727 Cargomaschine stehen und kam sofort auf die Idee mit diesem Flieger meine Dynamic auszufliegen. Damit würde ich keine weitere Zeit verlieren und könnte die weltgrösste Flugshow und Messe in Oshkosh doch noch rechtzeitig erreichen und pünktlich am 11. August zu Hause sein. Ausserdem bekommt der Flieger kein Salzwasser ab. Von da an waren alle Vorbereitungen auf diese Option gestellt. Die bestellte Containerplattform wurde abbestellt und die Papiervorbereitungen für das Verschiffen wurden gestoppt.
Einen herben Rückschlag gab es dann als die tatsächlichen Kosten die in Aussicht gestellten um das Vielfache überstiegen. Ein persönliches Telefonat mit dem Manager der Cargofirma brachte dann doch eine vernünftige Lösung und so begann ich mit der Demontage der Zusatztanks und der Tragflächen. Dabei konnte ich zum ersten Mal die hervorragende Arbeit der Firma Aerospool an den Zusatztanks bewundern – Gratulation Jungs was hier an Hirnschmalz investiert wurde um Gewicht zu sparen und doch jeden Kubikzentimeter auszunutzen und trotzdem beide Tanks auf einfache Weise ausbauen zu können ist wirklich höchste Ingenieurskunst.
Die nächsten Tage hatte ich ausreichend Zeit um den Flieger und die Tragflächen auch mal von unten ordentlich zu polieren und so steht die Spirit of Africa heute nach 7 Jahren da wie neu.
Ich ging mitlerweile am Flughafen ein und aus so als würde ich zum Personal gehören. Ich musste mir lediglich in den letzten Tagen immer wieder meine ID abholen und konnte so ungehindert passieren.
Als alles bereits auf Abflug eingestellt war kam dann die grosse Überraschung.
Der Flieger war mit seinen 660 cm Länge um 20 cm für die Cargotür der B727 zu lange, erst als wir zuerst mit dem Heck einfädelten und den Flieger drei mal reversierten schlupfte die Dynamic gerade mal in den Frachtraum der Boing. Kurz darauf ging es dann am Jumpseat ab nach Hawaii. Ich hatte ja bereits Lagerkoller nach zweieinhalb Wochen auf Samoa und so war ich froh, dieses Wetter endlich mal nicht nur auf Bildschirmen auf meinem PC oder im Metoffice sondern auch mal in der Realität von oben zu sehen. Obwohl der Spoter eingeschalten in der Windschutzscheibe des Frachters lag wurde doch, wie im Prospekt von Spot angekündigt, die ganze Strecke über nie ein Signal gesendet.

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