Leg 28, Montag, 25.06.2012 Nausori Suva, Fiji, NFNA – Pago Pago, amerikanisch Samoa, NSTU distance flown 684,4 nm time 5 hours 46 minutes

Zuerst mal an alle Daheimgebliebenen die sich Sorgen um mich machen. Ich bin gut in amerikanisch Samoa angekommen, auch wenn der Tracker ganz was anderes zeigt und kurz vor der mittleren Insel stehen geblieben ist. Oft kommt es vor, und gerade hier wo ich schwache Satellitenabdeckung erwarten musste, dass der Tracker nur alle halbe Stunde ein Signal abgibt, und da bin ich schon lange gelandet und habe den Tracker auch zusätzlich noch zehn Minuten eingeschaltet gelassen, aber wie man sieht, offensichtlich doch zu kurz.
Leider ist auch hier wieder kein Handykontakt und damit begnüge ich mich mit dem Satellitentelefon, dafür geht seit zwei Stunden das Internet wieder.
Heute bin ich einen Tag jünger geworden!!!!! Ich glaub ich konnte es beim Blick in den Spiegel heute morgen erkennen. Ich habe mit dem Flug von Fiji nach Samoa die internationale Datumsgrenze überflogen und bin jetzt 11 Stunden nach der heimischen Zeitrechnung. Wenn ich allerdings weiter nach Kiribati fliege gehts wieder einen Tag vor und weiter nach Hawaii wieder einen Tag zurück. So wird man ständig jünger, fast wie in der Concorde.
Nun ja, die Fijianer haben mich nach zweistündiger Nervenquälerei zum Flieger gelassen, die Landegebühr war nicht wie versprochen 100$ sondern dann gleich 330$, immerhin 12$ pro Stunde Parkzeit, aber mir wurde es dann einfach zu bunt und ich hatte immerhin 6 Stunden Flugzeit und eine Stunde Zeitverschiebung vor mir und so bezahlte ich widerwillig die geforderten Summen um ja nicht noch einen Tag weiter dort bleiben zu müssen oder Gefahr zu laufen dass es bei meiner Ankunft in Pago Pago finster wird. Und siehe da, als ich mit dem Geld herausrückte, war das Rechnungschreiben schlagartig beschleunigt und die schmächtige Fijianerin die vorher 45 Minuten herumtelefoniert und Gebühren gesucht hatte, war dann in 5 Minuten mit allem fertig. Dann kam der Herr von der Regierung mit seinen sog. Customsgebühren.
Natürlich hatte die Regierung kein Einsehen und aus den in Aussicht gestellten 400$ vom Samstag wurden natürlich die 1500$, allerdings einigte man sich darauf, das dies Fijidollar und nicht US Dollar sind, somit war die Summe dann gleich „nur“ noch etwas mehr als die Hälfte. Immerhin auch noch mal 880$ für nichts und wieder nichts.
Dann erklärte ich dem nunmehr sehr freundlichen Herrn aber, das ich mich erkundigt hätte und die Gebühr für eine sog. Gesundenuntersuchung und für Quarantäne aber illegal wären und kein eiziger Tourist, mit denen ich im Hotel gesprochen hatte, eine ähnliche Gebühr zu zahlen hatte und keine Untersuchung stattgefunden hätte.
Da meinte er, die kommen um 11 Uhr eh zum Flugplatz und dann könnte ich mit denen verhandeln. Es war bereits 9 Uhr 30 und ich wusste ich muss innerhalb der nächsten halben Stunde weg, sonst wird es in Pago Pago finster bis ich ankomme.
Also hatte ich den Mann freundlich zu ersuchen, den Betrag für die Beamten der Gesundheitsbehörde treuhändisch entgegen zu nehmen, damit ich nicht auf die warten muss. Nach langem Hin und Her entschied er sich das Geld an sich zu nehmen und mir einen Stempel zur Bestätigung des Erhaltes auf irgend einen Zettel zu drücken. Also noch mal insgesamt 380US$ zusätzlich Wechselspesen, da er ja nun das Geld in Fijidollar wechseln muss.
So, alles bezahlt, endgültig pleite, also raus zum Flieger.
Der steht Gott sei Dank noch genauso da wie ich ihn 41 Stunden vorher zurückgelassen habe.
Request Startup und schnell weg – denkste.
Der Motor läuft bereits, die Instrumente sind hochgefahren, dann heisst es kein Flugplan vorhanden ich soll zum Turm rauf kommen. Verärgert, weil ich ja wusste das von meinem Operator in Deutschland der Flugplan aufgegeben wurde, schaltete ich alles wieder ab und stapfte über rostige Leitern rauf zum Tower. Dort zeigte man mir einen Flugplan für den Vortag der aber seitens meines Operators gleich darauf wieder storniert wurde ohne gleichzeitig einen mit korrektem Datum aufzugeben. Also füllte ich rasch noch einen handschriftlich aus und dann sollte dem ruhigen Überwasserflug, mit einem kurzen Abstecher zur Insel der Firma Red Bull, bzw. zur Privatinsel von Dietrich Mateschitz nichts mehr im Wege stehen. Glaubt mir, es hat mich gewaltig gejuckt, einen technical landing zu declaren und sei es, dass ich aufs Häusl gemusst hätte oder eine Biene im Cockpit war, dass ich dort landen konnte. Aber ich respektierte die Privatsphäre und ausserdem hätte ich wieder durch die Wolken durch von FL 095 absteigen müssen, was ich dann auch nicht wollte. Die Fotos der besten Landebahn im Südpazifik sowie viele neue Bilder aus vorangegangenen Etappen könnt ihr beim Zurückscrollen bis zum Beginn der Reise sehen. Danke Stefanie für das Updaten der Bilder!
Hier auf amerikanisch Samoa war die Landung bei steifem Seitenwind von 65 kmh!!! eine echte Herausforderung. Kurz vor der Landung begann es auch noch zu regnen und der starke Ostwind peitschte die Wellen gegen die Kaimauer, welche die Landebahn vom Meer trennt und mein Flieger wurde direkt bei der Landung von einer Gischt überschwemmt. Der Flieger hat bei der Landung geschoben, dass ich dachte mir reisst es das Fahrwerk aus den Flügeln. Dafür sind die Bilder vom Sonnenuntergang mit dem Regenbogen unmittelbar nach der Landung eine Augenweide. Die Landegebühr fiel mit 20$ auch amerikanisch human aus und die Immigration in die USA war mit 115$ und einem kurzen hallo abgetan.
Es kann hier sein, dass ich länger auf gutes Wetter warten muss. Die Vorhersagen für die nächsten Tage sind nicht besonders, und ich möchte für das lange Leg nach Kiribati Christmas Island keinerlei Risiko beim Überqueren der Intertropikalen Konvergenzzone eingehen. Ausserdem befinden wir uns hier derzeit in der Hurrikansaison, wie mir heute ein Einheimischer von den rund 69.000 Inselbewohnern erklärte. Aber auch wenn die Wartezeit länger sein sollte so werde ich Euch trotzdem mit interessanten Artikel versorgen, ich bin Euch ja immerhin noch einige Berichte aus den vergangenen Etappen schuldig, und für jene die nicht auf mein Buch, welches zur Weihnachtszeit erscheinen wird, warten möchten, gibts dann schon mal vorab ein paar Stories.
Ein Fliegerkollege hat mir heute geschrieben, dass in der Dienstagausgabe ein Artikel über meinen Flug in der Kronenzeitung steht, vielleicht kann mir ja jemand diesen Artikel ausschneiden und aufheben.
Danke
Helmuth

 

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