Es gibt noch eine Steigerung zu Indien, 9 Tage Thailand sind genug!

Liebe Freunde und Beobachter meiner Weltumrunderwebseite. Ich bin Euch in letzter Zeit einige Berichte schuldig geblieben. Dies lag nicht immer an mir, sondern meist hatte ich keinen Internetzugang oder, wenn doch, dann konnte ich, wie in Thailand nur empfangen aber nicht senden.

Nun bin ich aber nach einem sehr schwierigen Sichtflug durch tropische Gewitter sogar einen Tag vor Plan in der Hauptstadt von Malaysia, Kuala Lumpur, einer 7 Mio. Metropole eines über 30 Mio. Multikultivolkes, gelandet und geniesse die Annehmlichkeiten der westlichen Welt. So unter anderem auch ein schnelles Internet, was mir die Möglichkeit gibt Euch über die letzten zwei Wochen meiner aussergewöhnlichen Reise zu informieren.

Aussergewöhnlich in jedem einzelnen Sinn des Wortes.

Nicht nur , dass ich zu Beginn meiner Reise unheimlich viel Glück, sei es nun mit Wetter und Rückenwind, sondern auch mit Gastfreundschaft und Preisnachlässen erfahren durfte, wandelte sich dies, ab dem Moment wo die Streckenführung von ostwärts Richtung Süden sich änderte dann doch dramatisch.

Begonnen hat es bereits mit dem Abflug von Pakistan nach Nagpur in Indien, wo ich bereits am Rollhalt zur Startbahn stand und wieder umdrehen durfte, da Ahmedabad in Indien die Überflugsgenehmigung nicht erteilte. Ich habe ja aus gutem Grund nur einen Stop in Indien eingeplant und Ahmedabad aus berühmt berüchtigten Erzählungen anderer Weltumrunder absichtlich von meinem Reiseplan gestrichen, ausserdem gibt es neuerdings ohnehin keinen Sprit mehr dort, und somit kann man sich die bürokratische Prozedur dort gerne sparen.

Wohl etwas beleidigt, dass ich dort keinen Besuch abstatte, liessen sie mich eine Ehrenrunde am Taxiway von Karachi drehen, um mir, kurz nachdem ich wieder auf meiner overnightparking position den Motor abgestellt hatte, dann doch den Überflug nach Nagpur zu gewähren.

Der Flug nach Indien verlief dann wieder Airlinerlike, völlig ruhig und aussschliesslich durch Speedy Gonzales, mein zuverlässiger Autopilotkollege am rechten Sitz. So als wären Wolken bereits völlig abgeschafft worden, konnte ich dann doch 250 nm vor Nagpur ein paar seltene Exemplare dieser aussterbenden Spezies kennen lernen, dies aber dafür gleich mit solcher Heftigkeit, dass Speedy den Dienst quittierte und an mich übergab. Mit +2,3G und  0,6G  sollte dies aber noch lange nicht der Höhepunkt der gesamten bisherigen Reise gewesen sein.

Und so landete ich nach 5 Stunden und 53 Minuten und zurückgelegten 708,6 nm durchschwitzt in Nagpur, relaxt darüber was in den kommenden Stunden wohl auf mich zukommen wird. Ein guter Rat von Weltumrunderkollege Matevz Lenarcic aus Slowenien, den ich kurz vor meiner Abreise noch in Marburg treffen durfte, war, dont worry about India and keep all time relaxed.

Na das probieren wir doch gleich mal aus.

Abgesehen davon, dass man diesen Kauderwelsch, den die hier in Indien sprechen, und so gar nichts mit Englisch zu tun hat, ohnehin nicht versteht, sie aber felsenfest behaupten es würde sich um so was ähnliches wie die englische Sprache handeln, konnte ich gleich mal die ersten zwei Stunden auf der zugewiesenen Parkposition Nr. 16 niemanden erblicken. Ausser den Wachmann im nahe gelegenen Wachtürmchen.

Also was tun bei 45 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit? Leiberl ausziehen, ist ohnehin schon zum auswinden, Taschen aus dem Flieger, Kanister vom hinteren Frachtraum raus, und dann mal 2 Stunden Flieger polieren. Die gute Spirit of Africa hat es ja auch redlich verdient.

Dabei musste ich auf der rechten Unterseite des Flugzeuges bislang unbekannte bläuliche Kalkspuren entdecken. Ich dachte mir einfach noch nichts weiter dabei.

Nachdem ich bereits fünf mal die nette Lady per Funk am Tower nach einem Refuelingpersonal angefunkt hatte – ich war höflich und meinte sie hätte eine so nette Stimme am Funk – kam dann doch mal jemand von der Indian Oilcompany mit einem Jeep daher und fragten mich ob ich Gendecs hätte. Na klar, wer kommt den nach Indien und hat keine General Declarations dabei, das muß ja wohl ein Anfänger sein.

Also gleich mal 6 Kopien dieses wertvollen Papiers ausgehändigt und schon ging die Schreiberei, Stempelei und Unterschreiberei los. Alles natürlich noch auf der harten Unterlage des Tragflügels, versteht sich.

Sodann wurde mir klar gemacht, daß dies hier der einzige Platz in Indien ist der AVGAS hat und refueling nur von mir selbst zu erledigen sei, helping hand gibt es nicht. Na gut dachte ich mir, was solls ich werd die 200 Liter edles AVGAS schon irgendwie alleine aus dem Fass bringen. Hab ja alles dabei, inklusive Handpumpe, welche ich auch noch sinnloser Weise von zu Hause mitgeschleppt habe. Ja, wie aber kommt nun das Fass zum Flieger, das ist auch nicht im Spritpreis inkludiert. Ja ich soll mir selber zusehen, wie ich zu einem Karren oder Anhänger komme und diesen quer über das Rollfeld und die Abstellfläche ziehe. Gehen ist aber nicht, man darf sich hier natürlich nur mit dem Crewbus bewegen, und der kostet extra. Freundlicher wurden die Gesichter erst dann, als ich von meiner aussergewöhnlichen Reise erzählte, jedem einen Aufkleber von  meinem Logo in die Hand gab und über die Wohltätigkeit dieses Fluges informierte. Dann meinte der Boss der ganzen Schar, ich möge meinen Reisepass abgeben, 720$ im Voraus cash bezahlen und sie wären dafür so gütig und machten für mich eine Ausnahme und bringen mir das Fass auf deren Anhänger zu meinem Flugzeug. Auf die Frage wie lange das den nun dauern würde und wann ich meinen Reisepass wieder bekomme, meinte der nun halbfreundliche Mann, so in 45 Minuten würden wir uns wieder sehen.

Mit etwas ungutem Gefühl im Bauch verliess mich der Tross mit meinem Reisepass und 720$ und ich wusste nicht ob ich eines von beiden wieder sehen sollte.

Also polierte ich halt noch eine Stunde weiter an meinem Baby.

Tatsächlich, früher als angekündigt war dann aus weiter Ferne nach 35 Minuten ein Jeep mit Anhänger zu erkennen auf dem sich so etwas wie ein Fass befand. Nun ging die Diskussion also los, wie den Sprit aus dem Fass in den kleinen Flieger bekommen. Mein mitgebrachter Selbstansaugschlauch erwies sich hier als gutes Mitbringsel. Zwar langsam aber stätig leerte sich das Fass und die Flächentanks wurden wieder voll – ich hatte ja seit Abu Dhabi nicht mehr getankt! – wie aber nun die zweite Hälfte in den Haupttank am Copilotensitz bringen, da müsste der Sprit ja bergauf rinnen, geht also nicht. Die Jungs hatten einen 10 Liter Edelstahlbehälter mit, so wurde das Fass gekippt, dieser 10 Liter Behälter dabei immer angefüllt, meist auch überfüllt, und über den Trichter in meine mitgebrachten Kanister umgefüllt. Diese Kanister wurden dann auf den Zusatztank gestellt, und so ergab sich wieder ein Gefälle und mit dem Selbstansaugschlauch füllte sich auch so der 147 Liter Zusatztank am Copilotensitz. Ich musste ja das ganze 200 Liter Fass abnehmen, denn eine geringere Abnahmemenge gibt es hier nicht. Sollte man ja bei einem Preis von 3,60 US$/Liter ja auch sinnvoller Weise tun.

Nach 2 Stunden war die Prozedur des Tankens dann erfolgreich abgeschlossen und wir stanken alle, getränkt von Benzin, nach Schweiss und Sprit.

Nun gings also an die Immigration – ruhig Blut Helmuth – es kommt auch noch ein Abend.

Zuerst gings also zum Immigration Counter, nachdem ich das Customsformular bereits auf der Tragfläche ausgefüllt hatte. Da wurde erst mal eine halbe Stunde darüber diskutiert ob Austria nun Australia oder Austria ist. Nachdem dies klar war dass ich aus der Alpenrepublik stamme und es keine Kängurus in Österreich gibt wurden alte Bücher aus dem Schrank geräumt, wo nachgesehen wurde, wie man mit solchen Leuten bisher verfahren ist und was man im letzten Jahr von Leuten aus Österreich verlangt hat. Bis dann klar war, ich sollte 40$ für das Visa bezahlen, was ich bereitwillig annahm. Verlangte man doch an der Visastelle in Wien für die gleiche Leistung 160€ und bei Matevz in Patna zwei Monate zuvor 45$. Ich war ja immerhin schon froh dass ich überhaupt ein Visa bekam, nachdem der Handlingagent zwei Tage zuvor noch meinen Operator in Deutschland eindringlich darüber informierte, dass ich nicht ohne Visa nach Indien reisen dürfte andernfalls ich erhebliche Schwierigkeiten bekommen sollte.

Nachdem ich also so peinliche Fragen auf meiner Gendec wie meinen Familienstatus erklären musste – es kann sich hier keiner vorstellen nicht verheiratet zu sein – war die Angelegenheit dann nach zwei Stunden zu Ende und ich durfte das Flughafengebäude ohne meinen Reisepass verlassen. Der blieb bei der Immigrationbehörde, ohne das diese dafür eine Berechtigung hätten.  Ich habe so etwas auf all meinen Reisen noch nie erlebt das ich den Reisepass abgeben musste. Mit einer Kopie meines Passes in der Hand – mir war es egal ich hatte ja für den Fall der Fälle noch einen zweiten Reisepass dabei – stieg ich ins Taxi und fuhr die 800 Meter zum direkt vor dem Flughafen gelegenen Prada Airporthotel, wo ich 20% Crewdiscount bekam.

Dort schrieb ich dann hundemüde, aber glücklich die Prozedur hinter mir zu haben, den Bericht über Karachi und Indien ins Internet und als ich diesen absenden wollte, schaltete sich das Internet im Hotel ab und die Arbeit war umsonst. Frustriert darüber ging ich zu Bett und konnte wegen dem anhaltenden Hupkonzert unten auf der Strasse nur schlecht einschlafen.

Am nächsten Morgen wollte ich früh weg um ja nicht in die aufziehende CB Bewölkung ab Mittag zu kommen. So verzichtete ich auf das Frühstück und war bereits wieder um 6 Uhr morgens zurück am Flughafen. Es sollte laut den Aussagen des Immigrationofficers heute nur 20 Minuten dauern und ich wäre bereits bei meinem Flieger. Denkste!

Wieder zwei Stunden bis sich jemand zuständig erklärte. Die verantwortlichen Leute kommen ja ohnehin erst um 9 Uhr. Also zuerst Immigration wieder erledigen, diesmal will man 5 Durchschläge der Gendec! Und immer wieder sollte ich mich auf die Passagierbank setzen und warten. Würde man dies tun sitzt man am Abend noch dort. Nachdem die Immigration endlich erledigt ist und ich meinen Reisepass ohne Stempel wieder in Händen halte, gehts also nun zum Customs. Zum Glück ist nun der nette Herr vom Vortag, der mir bereits beim Refueling geholfen hatte an seinem freien Tag extra mit dem Moped 10 km weit wegen mir hierhergefahren um mir die Angelegenheit zu erleichtern.

Der Zoll sollte damit also relativ einfach erledigt sein, dauerte aber alles in allem auch eine geschlagene Stunde.

Nun also die Lande- und Parkgebühr zahlen. Was wird dass nun wieder werden? Raus aus dem Flughafengebäude, rüber über Schotterwege zum Tower und die ganzen Taschen ueber drei Stockwerke  durch Fäkalien und Müll auf den Kontrollturm tragen. Das nennt man Flugsport, ich habe seit meiner Abreise bereits 5 Kilo abgenommen und bin zum Ersten mal seit langem wieder auf meinem Idealgewicht unter 70 kg!

Das Rechnungschreiben und Heraussuchen der Landegebühren für ein Microlightflugzeug dauern dann noch mal eine geschlagene Stunde bis ich dann endlich 187$ für alles bezahlen darf. Das ist weniger als ich erwartet hatte, habe ich mir doch in Indien den Handler vollkommen erspart.

Und so durfte ich dann um halb elf raus zu meinem Flugzeug und mich für den 800 nm Flug nach Bangladesch vorbereiten.

Bei der täglichen Ölkontrolle fiel mir dann auf, dass am Ölbehälterdeckel Kalkspuren zu sehen waren die ich so noch nicht kannte. Also sicherheitshalber doch die Cowling runter und nachsehen.

Tatsächlich war im Kühlwasserbehälter nichts mehr drinnen, aber es war auch nirgendwo ein Schlauchriss oder eine Undichtheit zu erkennen. So füllte ich den Kühlwasserbehälter mit den mitgebrachten Trinkwasserflaschen auf und startete ohne weitere Probleme Richtung Bangladesch.

Weiter gehts mit dem Bericht dann von Bangladesch, jetzt wartet mein Freund Ismail unten im Hotel um mir die Stadt Kuala Lumpur zu zeigen.

Gruss
Helmuth

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